4. Sitzung des Lenkungskreises: Nationale Plattform Zukunft der Mobilität empfiehlt Pilotprojekt Digitalisierte Mobilität 2020/2021

In seiner vierten Sitzung am 5. Juni in Berlin hat der Lenkungskreis der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität Empfehlungen für die Digitalisierung der Mobilität beschlossen. Die Nationale Plattform misst der Digitalisierung und Vernetzung der Verkehrsträger eine zentrale Rolle für den Aufbau eines umwelt- und nutzerfreundlichen Mobilitätssystems zu. Sie empfiehlt ein Pilotprojekt Digitalisierte Mobilität 2020/21. Dort werde die konkrete, gemeinsame Erprobung digital vernetzter Mobilitätskonzepte möglich. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung offener, verbindlicher Schnittstellen und Standards.

Der Lenkungskreis der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) setzte sich in seiner vierten Sitzung mit der Digitalisierung des Verkehrs auseinander. Grundlage dafür war der erste Zwischenbericht der AG 3, die von Klaus Fröhlich (BMW) geleitet wird. In fünf Themenfeldern (multimodale Mobilität, autonome Mobilität, Daten/Software/KI, Vernetzung und Sicherheit) beleuchtet der Bericht die Zukunftstrends der Mobilität und ihre technologischen Voraussetzungen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die multi- und intermodale Mobilität, also die Verfügbarkeit und Nutzung verschiedener Verkehrsmittel zu unterschiedlichen Zeiten oder in einer geschickten Kombination innerhalb einer Route.

Indem die Digitalisierung die Verkehrsträger und -nutzer sowie deren Bedarfe in Echtzeit vernetzt und die Transaktionskosten für intermodales Reisen senkt, spielt sie beim Aufbau eines nachhaltigen, klima- und nutzerfreundlichen Mobilitätssektors eine zentrale Rolle. Sie reduziert Emissionen, steigert die Verkehrssicherheit und kann auf individuelle Mobilitätsbedürfnisse in Stadt und Land besser als bisher eingehen und diese entsprechend berücksichtigen.

Die Expertinnen und Experten der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität empfehlen die Einrichtung eines Pilotprojekts Digitalisierte Mobilität 2020/21 für ein ganzheitliches Verständnis und die Ableitung weiterer Erkenntnisse aus dem Praxistest. Eine geeignete Region sei noch zu identifizieren und müsse allen an einer Mitwirkung Interessierten offenstehen. Ein solches Modellprojekt bringe auch die gesellschaftliche Diskussion um neue Mobilitätsformen und die Automatisierung des Verkehrs entscheidend voran und müsse durch einen öffentlichen Dialog begleitet werden.

Prof. Henning Kagermann, Vorsitzender des Lenkungskreises der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität, betonte: „Der Zwischenbericht der AG 3 unterstreicht, wie wichtig die Digitalisierung für einen umwelt- und nutzerorientierten Verkehr wird. Autonome Shuttles etwa können zum Bindeglied zwischen individuellem und öffentlichem Verkehr werden. Nahtlose Übergänge zwischen verschiedenen Mobilitätsanbietern erleichtern den Umstieg zwischen individuellem Reisen und öffentlichem Verkehr. So entstehen positive Anreize, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen. Wir müssen Erfahrungen sammeln und zugleich den vernetzen, automatisierten Verkehr für die Menschen greifbar und erlebbar machen. Deshalb empfehlen wir ein Pilotprojekt Digitalisierte Mobilität 2020/2021, also eine Region, in der die Mobilität von morgen heute erfahrbar wird.“

Die digitale Vernetzung des Verkehrs macht die Planung und Bezahlung über verschiedene Mobilitätsanbieter hinweg viel einfacher, so die Expertinnen und Experten der Plattform. Reisende können die Routenplanung mit unterschiedlichen Verkehrsträgern besser aufeinander abstimmen und auf unvorhergesehene Veränderungen innerhalb der Reisekette reagieren. Dazu braucht es nach Einschätzung der Expertinnen und Experten ein Datenökosystem, also eine Zusammenführung der bisher getrennten Datensilos. Als Voraussetzung dafür empfiehlt die NPM standardisierte und verbindliche Schnittstellen, die proprietäre Standards und Schnittstellen ablösen.

Ein weiterer Schlüssel liegt in vielfältigeren Verkehrsangeboten sowie in besseren Anschlüssen zwischen privatem und öffentlichem Verkehr. Autonome Mobilität kann das multimodale Verkehrssystem der Zukunft stärken und nutzerfreundlicher machen. So können fahrerlose Shuttles bisher schwierig zu erreichende Stationen des öffentlichen Nahverkehrs besser anbinden. Das Umsteigen wird damit komfortabler.

Durch die Digitalisierung und Automatisierung des Verkehrs werden sich im Bereich des Reisens zahlreiche neue Optionen ergeben. Einzelaspekte wie Mobilitäts-Apps, Carsharing oder Shuttle-Dienste sind schon heute nutzbar. Aufbauend auf dem Zwischenbericht wird die Arbeitsgruppe 3 „Digitalisierung für den Mobilitätssektor“ ihre Kernthemen in den kommenden Monaten weiter vertiefen.

Über NPM – Nationale Plattform Zukunft der Mobilität

Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität bringt Experten aus Politik, privatem Sektor, Verbänden, Forschungseinrichtungen und NGOs zusammen, um Konzepte für eine nachhaltige, umwelt- und klimagerechte, bezahlbare und wettbewerbsfähige Mobilität in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Henning Kagermann erarbeiten sechs Arbeitsgruppen technologieneutral verkehrsträgerübergreifende Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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